„Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.“ 

Piktogramme weisen uns den Weg, (Verkehrs)Schilder geben uns (meist) klare Anweisungen und Comics sind auch deshalb heute noch so beliebt, weil mit wenig Text viel ausgedrückt wird. Selbst unser Gehirn denkt gern und oft in Bildern. So „sehen“ die meisten Leser direkt eine schwarze Katze vor Ihrem geistigen Auge, wenn sie das lesen.

Wir unterscheiden 3 Bereiche:

Was wir sehen behalten wir viel besser als das, was wir nur hören. Und Bilder, Grafiken und Skizzen helfen auch schwierige Sachverhalte anschaulich darzustellen. Tatsächlich liegt der Anteil der über die Augen aufgenommenen Information bei 75%. Die restlichen 25% verteilen sich auf das Gehör (13%), den Tastsinn (6%) und jeweils 3% auf Geschmacks- und Geruchssinn.

Sprechen bedeutet sinnenhaftes sprechen. Wobei der Begriff sinnenhaft hier zwei Beschreibungen beinhaltet:
1. Mit den Sinnen die Sinne ansprechen
2. Durch den geschickten Einsatz bildhafter Sprache und Vergleiche den Sinn verdeutlichen.

Das haben Sie vermutlich selbst oft genug erlebt: Da schwafelt und schwafelt jemand, bringt Fakten, Fakten, Fakten und das ganze ist so interessant, als wenn in China ein Sack Reis umfällt. Und dann kommt der nächste Sprecher – und alles hängt wie gebannt an seinen Lippen. Natürlich gibt es mehrere Erfolgsfaktoren. Aber die bildhafte Sprache ist ein wesentlicher. Deshalb:
Trainieren Sie verstärkt die Bildersprache in Ihren Sätzen. Wie das geht? Ganz einfach. Mit diesen 4 Schritten:

1. Schauen Sie sich Bilder an

und beschreiben, was Sie sehen.
So trainieren Sie die bildhafte Sprache. Das können Sie auch alleine tun. Sprechen Sie laut. Auch mit sich selbst. Vergleichen Sie mehrere Bilder miteinander. Bringen Sie Ihre Emotionen ein. Sagen Sie, was Sie bei diesen Bildern fühlen, welche Stimmen in Ihnen hochkommen.

2. Wecken Sie Erinnerungen

Nutzen Sie die den Alltagserfahrungen Ihrer Zuhörer/Ihres Gegenübers. Damit schlagen Sie gleich 2 Fliegen mit einer Klappe:
- Sie bauen eine Brücke („Der versteht mich. Der denkt wie ich.“)
- Automatisch entstehen Bilder vor dem geistigen Auge Ihrer Zuhörer. Wenn Sie jetzt noch bewusst die Sinneswahrnehmungen zur Sprache (Sehen, Hören, Schmecken, Fühlen, Riechen) bringen, werden Sie praktisch zum Maler und Regisseur.

3. Schalten Sie um auf bildliche Vorstellung

Setzen Sie Vergleiche ein, z.B. mit der Tierwelt oder dem sportlichen Bereich. Sie sind sehr geläufig und praktisch jeder kann sich etwas darunter vorstellen. („Sie hatte Augen wie ein Adler“, „Er war flink wie ein Wiesel“). Damit ist auch klar, dass Sie auf zu exotische Beispiele verzichten, die nur Sie verstehen. Entscheidend ist nicht immer die Allgemeinbildung, sondern die Zuhörergruppe. So können Sie bei einem Fachvortrag vor Ärzten sicher andere Vergleiche ziehen, als bei einer Rede vor Hausfrauen. In meiner Schulzeit sagte ein Lehrer zu mir: „Du hast soeben die Mathematik vergewaltigt.“ Obwohl wir alle so 14,15 Jahre alt waren, wussten wir doch, was gemeint ist.

4. Erzählen Sie Ihre eigenen Erlebnisse

Berichten Sie nicht nur sachlich und emotionslos. Erzählen Sie die Geschichte dazu– mit all Ihren Hindernissen, Widersprüchen, Erfahrungen und Erlebnissen. Bauen Sie einen Spannungsbogen auf. Schließen Sie mit dem, was Sie gelernt haben und enden Sie entweder mit einem Aufruf, einem Appell, einer Frage, der Pointe – je nachdem, welche Absicht Sie verfolgen.

Lassen Sie Bilder sprechen: Nicht immer

Jeder kennt dieses Zitat. Das ist auch richtig. Richtig ist auch, dass bei Bildern 1000 Interpretationsmöglichkeiten bestehen. Und genau das ist nur selten der Wunsch, wenn ich mich eindeutig und unmissverständlich ausdrücken will. Ein Redner ist in der Regel darauf aus, bei seinen Zuhörern klare Botschaften zu erzeugen. Dabei unterscheiden wir drei Möglichkeiten:

Will ich InformierenMeinungen erzeugenUnterhalten/Kontakt herstellen

Je nachdem, wie eindeutig die Info sein muss, desto bedachter muss ich „meine Bilder“ wählen. Oder sie weglassen und klare Fakten nennen. Natürlich kann ich bildliche Vergleiche bringen.
Während ich das schreibe, höre ich folgendes im Radio: „Die klischeehaften Bilder der Südsee haben wir alle vor Augen.“ Was sehen Sie? Welche Bilder erscheinen vor Ihrem geistigen Auge? Welche Klischees werden bei Ihnen bedient?

Bildhafte Vergleiche können Klarheit erzeugen: Wenn etwas „so groß wie der Kölner Dom ist“ weiß jeder, dass es groß sein muss. Und „schnell wie der Blitz“ beschreibt ein hohes Tempo. Doch müssen die Vergleiche auf die Ziel-, bzw. Zuhörergruppe zugeschnitten sein. Unter einer „Struktur wie ein Benzolring“ können sich nur Personen etwas vorstellen, die mit Chemie zu tun haben oder hatten.
Je grober wir eine Sache beschreiben, umso mehr Möglichkeiten gibt es, sie unterschiedlich zu interpretieren. Je tiefer, im Sinne von detaillierter, wir erklären, umso eindeutiger werden die Dinge.

Bsp.: Ein Fortbewegungsmittel kann so ziemlich alles sein, was es gibt. Von der Seifenkiste bis zum Airbus A380.
Ein Flugzeug ist genauer, aber noch lange nicht eindeutig. Auch grenzt das Kraftfahrzeug das ganze nur unwesentlich ein. Ein Auto verringert die Möglichkeiten. Das nennen einer Marke sagt uns nicht nur etwas über das Auto, sondern beschreibt auch gleichzeitig ein gewisses Image (BMW gegenüber Skoda). Wenn wir jetzt noch das Modell, die Motorisierung und die Farbe nennen sind wir auf der tiefsten Ebene der Genauigkeit angelangt. Wir haben unsere Zuhörer von der eigenen Wirklichkeit („Er sagt Fortbewegungsmittel, er muss einen Hubschrauber meinen!“) in unsere, bzw. in die gewünschte Informationswirklichkeit geholt („Ach so. Er meint einen neuen azurblauen BMW 520i Limousine.“)
Wobei die tiefste Detailebene vom Inhalt abhängt. In unserem Beispiel sind wir dort angelangt. Sprechen wir dagegen von grundsätzlicher Ausstattung, weiß unser Zuhörer noch nicht genau, wovon wir reden. Dann ist die Information „azurblauer BMW 520i Limousine“ die oberste, unklare Ebene.

Sie erkennen also, dass die Aussage, welche Ebene gemeint ist, nur im Zusammenhang mit allen anderen Informationen getroffen werden kann. Jede Information für sich allein sagt nichts aus. Erst, wenn wir einen Bezug mit anderen Fakten herstellen, können wir mit Bildern für Klarheit sorgen.