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Reframing

"Nicht die Dinge an sich sind es, die uns beunruhigen,
sondern vielmehr ist es unsere Interpretation der Bedeutung dieser Ereignisse,
die unsere Reaktion bestimmt."
Marc Aurel


Der Begriff "Reframing" leitet sich von dem englischen Wort "frame" ab, was so viel heißt wie "Rahmen". Reframing bedeutet wörtlich, Ereignis anders einzurahmen, den Dingen einen neuen Rahmen geben.
Die Fähigkeit, ein Verhalten oder eine Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, macht uns frei und flexibel.

Die Bedeutung, die ein Ereignis, eine Aussage oder ein Verhalten hat, hängt vom Kontext, vom Rahmen ab, in den wir es hineinstellen, den wir ihm geben. Frame ist dieser Rahmen. Reframing bedeutet, einen neuen Rahmen zu bauen, eine neue Bedeutung zu sehen. Das gleiche Bild kann in einem neuen Rahmen ganz anders aussehen und anders wirken. Wird ein Problem reframt, dann bekommt dasselbe Ereignis eine neue Bedeutung: Neue Reaktionen und neues Verhalten werden möglich. Reframing bezeichnet den Prozess des Umdeutens, des Einnehmens einer neuen Perspektive, einer neuen Art der Wahrnehmung, einen neuen Interpretation.


Witze, Märchen, Geschichten, Erfindungen und kreative Prozesse sind typische Reframings. Wir sollten uns angewöhnen, das Reframing zu einem Bestandteil unseres täglichen Lebens zu machen.

Mit einem Reframing können wir die Absicht von dem eigentlichen Verhalten trennen. Dies ist ein wichtiges NLP-Prinzip. Oftmals kann eine Absicht sehr positiv und gut sein, das Verhalten, mit dem die Absicht verwirklicht werden soll, jedoch nicht. Wir können die positive Absicht würdigen und das Verhalten ersetzen. Bei „schlechten Angewohnheiten“ können wir die sekundären Gewinne behalten und gleichzeitig die schlechte Angewohnheit unterlassen.

Vereinfacht können wir sagen, dass es zwei Arten von Problemen gibt:
„Ich mache etwas, obwohl ich es nicht will.“ = schlechte Angewohnheit
„Ich möchte etwas, kann aber nicht.“ = Fähigkeit, Einstellung und Überzeugung



Six-Step-Reframing

Das Six-Step-Reframing ist eines der berühmtesten NLP-Interventionsmodelle. In sechs Schritten werden Verhaltensgewohnheiten beleuchtet und verändert. Wesentliche Grundlagen sind die Trennung der Absicht vom Verhalten, der Kontakt zu seinem Unterbewusstsein, das Teilemodell (Multimind) im NLP und die Ideen des kreativen Teils für neues Verhalten.

1) Identifizieren Sie das Muster (X), das verändert werden soll:
„Ich möchte mit X aufhören, aber ich kann nicht.“
„Ich möchte Xen, aber ich schaffe es nicht.“

2) Entspannen Sie sich und beginnen Sie die Kommunikation mit dem Teil, der für X verantwortlich ist. Fragen Sie, ob Ihr Unterbewusstsein (Teil X) mit Ihnen in Kontakt tritt. Achten Sie auf alles - Gefühle/Bilder, Gerüche/Töne, Körperempfindungen, Kribbeln, Jucken-, was als Antwort auf diese Frage passiert. Etablieren Sie eine "ja/nein" -Bedeutung des Signals. Lassen Sie Klarheit, Lautstärke oder Intensität für Ja zunehmen und für Nein abnehmen.

3) Trennen Sie das Verhalten, also X, von der positiven Absicht desjenigen Teils, das für X verantwortlich ist. Das unerwünschte Verhalten ist nur ein Weg, eine bestimmte positive Funktion zu erreichen. Fragen Sie den für X zuständigen Teil: „Was willst du erreichen, indem du X tust? Bekommen Sie eine Ja-Antwort, bitten Sie den Teil seine Absicht mitzuteilen. Bekommen Sie eine Nein-Antwort, machen Sie mit dem unbewussten Reframing weiter, mit der Präsupposition einer positiven Absicht. Ist diese Absicht für das Bewusstsein akzeptabel? Möchten Sie einen Teil haben, der diese Funktion ausübt? Fragen Sie den für X zuständigen Teil: Falls es Möglichkeiten gäbe, Ihre positive Funktion genauso gut oder besser auszuüben als mit Hilfe von X, hätten Sie Interesse daran, sie auszuprobieren?

4) Treten Sie in Kontakt mit dem kreativen Teil und bringen Sie neue Verhaltensweisen hervor, um die positive Funktion auszuüben. Machen Sie sich Erfahrungen von Kreativität zugänglich und ankern Sie diese oder fragen Sie: Sind Sie sich dessen bewusst, einen kreativen Teil zu haben? Lassen Sie den Teil, der für X zuständig ist, dem kreativen Teil seine positive Funktion mitteilen, erlauben Sie dem kreativen Teil, weitere Möglichkeiten für die Ausübung dieser Funktion hervorzubringen und lassen Sie den Teil, der für X zuständig war, unter diesen Möglichkeiten drei aussuchen, die mindestens so gut sind wie X oder besser. Lassen Sie ihn jedes Mal ein Ja-Signal schicken, wenn er eine solche Alternative auswählt.

5) Fragen Sie den Teil: Bist du bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, die drei neuen Alternativen im entsprechenden Kontext zu benutzen? Dadurch ist auch für eine Überbrückung in die Zukunft gesorgt. Zusätzlich können Sie auf der unbewussten Ebene den Teil bitten, die sensorischen Hinweise zu identifizieren, die die neuen Wahlmöglichkeiten auslösen, um vollständig die Erfahrung zu machen, wie es ist, wenn diese sensorischen Hinweise mühelos und automatisch jeweils eine der neuen Wahlmöglichkeiten herbeiführen.

6) Ökologischer Check: Hat irgendeiner meiner Teile etwas gegen die drei neuen Alternativen einzuwenden? Bei einer Ja-Reaktion gehen Sie zurück nach oben zu Schritt 2.



Der Bauer und das Pferd

Eine sehr alte chinesische Taogeschichte erzählt von einem Bauern in einer armen Dorfgemeinschaft. Man hielt ihn für gutgestellt, denn er besaß ein Pferd, mit der er pflügte und Lasten beförderte. Eines Tages lief sein Pferd davon. All seine Nachbarn riefen, wie schrecklich das sei, aber der Bauer meinte nur: "Vielleicht". Ein paar Tage später kehrte das Pferd zurück und brachte zwei Wildpferde mit. Die Nachbarn freuten sich alle über sein günstiges Geschick, aber der Bauer sagte nur: "Vielleicht". Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bauern, eines der Wildpferde zu reiten; das Pferd warf ihn ab und er brach sich ein Bein. Die Nachbarn übermittelten ihm alle ihr Mitgefühl für dieses Missgeschick, aber der Bauer sagte wieder: "Vielleicht".
In der nächsten Woche kamen Rekrutierungsoffiziere ins Dorf, um die jungen Männer zur Armee zu holen. Den Sohn des Bauern wollten sie nicht, weil sein Bein gebrochen war. Als die Nachbarn ihm sagten, was für ein Glück er hat, antwortete der Bauer: "Vielleicht...."
(entnommen aus dem Buch "Reframing" von Bandler/Grinder)